Über Schuhe..
..weil der Titel nicht so schmerzt, wenn man (also ich) drauf guckt.
Ich trage bis spät Abends meine Schuhe. Weil der Hund ja noch raus muss, bevor man dann ins Bettchen darf. Da lohnt es sich eher nicht, die Schuhe vorher aus zu ziehen. Aber der Hund muss gar nicht raus, weil der Hund gar nicht da ist. Die Schuhe trage ich Abends trotzdem. Schuhe ausziehen ist irgendwie komisch.
Wenn ich einen Tag bei Freunden bin, dann kommt immer mal wieder das schlechte Gewissen und sagt mir, dass ich langsam nach Hause sollte. Ich sage dem schlechten Gewissen dann, dass ich gar nicht nach Hause muss. Seit letztem Samstag nicht mehr.
Dann drückt es wieder und ich sage mir: "Jetzt heul hier mal mal nicht rum, war ja schließlich nur ein Hund". Aber das stimmt ja so gar nicht. Wenn man acht Jahre mit einem Hund verbringt, wird er viel mehr als das. Man entwickelt die gleichen Macken.
Samstag Abend war wie in einer Seifenblase. Gelähmt. Nicht zu Hause, aber trotzdem fast kein Schlaf. Sonntag dachte ich, ich muss sterben. Zum Glück hat ein Kumpel bei mir gepennt. Er brauchte eine Schlafmöglichkeit in Köln und ich Gesellschaft. Am schlimmsten sind die Tage zu Hause. Montag war arbeiten kaum möglich und abends kam der Hundesitter. Hier ein Photo und das restliche Hundefutter. Deine Kohle für die letzten Tage. Schlüsselübergabe. Schon wieder Tränen, diesmal auf beiden Seiten. Scheiß Wohnung, unerträglich. Manchmal hilft Alkohol eben doch. Dienstag wurde es besser. Nicht gut. Körbchen & Co. müssen aus der Wohnung, ab in den Keller. Einfach nehmen und runter damit. Hoffen, dass man im Flur keine Nachbarn trifft und was erklären muss. Den Nachbarkindern, die immer angelaufen kamen, gehe ich aus dem Weg - auch heute wieder. Freitag kam dann die "Einäscherungsurkunde" des Tierkrematoriums. Warum das Teil "Urkunde" heisst, weiß kein Mensch. "Hiermit bestätigen wir, dass Ihr Hund "Rokko" am 28.05.2008 eingeäschert wurde. Anschließend wurde die Asche auf einem dafür vorgesehenen Platz auf dem Krematoriumsgelände verstreut. (…) Wir danken Ihnen für das uns entgegengebrachte Vertrauen." Schnell in den Schrank damit, ganz weit nach unten.
Notiz an mich selbst:
Es ist kein Verrat, seine Schuhe aus zu ziehen. Machs gut, alter Kumpel. Du fehlst mir wie verrückt.. Krebs ist ein Arschloch.
Das Bild:
Rokko in einem meiner Koffer. Ich glaube nicht, dass er so hätte verreisen wollen..


..äh - da habe ich wohl gerade vergessen, wie der Spruch weiter ging. Ist aber auch echt schwer, sich das zu merken. Wo diese Freund-und-Helfer-Geschichte doch inzwischen immer weniger mit der Realität zu tun hat. Auf dem Weg zur Arbeit - immerhin eine Strecke von ganzen 8.000 Metern - bin ich heute morgen an drei (!) Polizeikontrollen vorbei gefahren. Keine Polizeikontrolle war an einem vermeintlichen Gefahrenpunkt gelegen, sondern alle auf geraden und übersichtlichen Hauptverkehrsstraßen. 





